Streitschlichter

Wenn zwei sich streiten, schlichtet der Dritte!

Lösungen?

  • Die Klasse ist schon im Raum. Der Unterricht kann beginnen, nur Sabrina fehlt. Die Unterrichtende fragt nach und erhält von Nadine zur Antwort: »Die darf nicht mit rein, die stinkt!«

Was tun?

  • Alex wartet im Klassenraum auf Vladimir. Auf den Platz neben ihm stellt Lars seinen Rucksack ab und geht noch einmal raus. Als Vladimir kommt, nimmt er den Rucksack und stellt diesen einen Platz weiter. Lars sieht das: »Ey du fucking Ausländer, nimm deine stinkenden Hände von meinem Rucksack!«

Und nun?

  • Auf dem Pausenhof ist eine Schlägerei: Der sonst schüchterne Sven hat Torben angegriffen, beide kämpfen erbittert.

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Sokrates (um 469 – 399 v. Chr.)

  1. Worüber streiten sich Schülerinnen und Schüler unserer Schule?
  2. Wie werden die Konflikte gelöst?

Die oben genannten Beispiele zeigen, dass Konflikte dort entstehen, wo Menschen miteinander leben. Konflikte zeigen unterschiedliche Werthaltungen, Eigenarten und Einstellungen der Menschen, aber auch verschiedene Formen der Regelung. Petra Hein, Michael Altenkamp und Gerold Aubke haben als Moderatorenteam an der Gesamtschule Waltrop eine Kultur des Streitens entwickelt. Dazu versuchen sie seit 1999 einen möglichst großen Kreis von Schülerinnen und Schülern zu Streitschlichtern auszubilden. Es ist den Moderatoren wichtig, dass Schülerinnen und Schüler lernen, die Lösungen ihrer Konflikte selbst in die Hand zu nehmen. Die Sicht des Anderen, oft verkürzt, verfälscht wahrgenommen, führt in Konfliktsituationen oft zu voreiligen, einseitigen Schuldzuweisungen und blockiert Möglichkeiten der Versöhnung. Für die Streitschlichtung ist es elementar, dass die Herrschaft über den Konflikt an die Menschen zurückgegeben wird, die einen Konflikt miteinander haben. Unter dem Stichwort Mediation soll dies gelingen, d.h. dass Beteiligte ihren Konflikt unter Vermittlung einer neutralen Person selbst konstruktiv lösen.

Das Streitschlichter-Programm umfasst ein kooperatives Konfliktlösungstraining mit ausgewählten SchülerInnen der Jahrgänge 6, 7, 8, 9 und 10. Diese ca. 25 SchülerInnen pro Jahrgang werden pro Jahr zu Streitschlichtern ausgebildet, die im Konfliktfall (während der Pausen, Mittagsfreizeiten etc.) für Streithähne schnell verfügbar sind und ein Schlichtungsgespräch zwischen den Kontrahenten in Gang setzen. Der Schlichter hält sich an bestimmte Regeln, so dass die Kontrahenten eigene Lösungsmöglichkeiten und entsprechende Vereinbarungen finden können.

Die Ausbildung findet in einer AG-Zeit statt bzw. im wöchentlichen Rhythmus am Donnerstag.

Der Gewinn für die Schulgemeinde findet auf verschiedenen Ebenen statt:

  • Streitende lernen, ihre eigenen Probleme zu lösen. Sie werden sich eher an Vereinbarungen halten, weil diese auf ihren eigenen Ideen beruhen. Sie erfahren die Verbindlichkeit von Vereinbarungen
  • Jüngere erhalten ein größeres Maß an Sicherheit, weil sie durch die Streitschlichter Hilfe und Schutz erhalten
  • SchülerInnen schlagen sich seltener, sie sprechen miteinander. Sie wissen, dass beide Seiten durch Gespräche etwas erreichen können
  • SchülerInnen erlernen soziale Kompetenzen, die sie Konflikte außerhalb der Schule und im späteren Leben besser lösen lassen. Dies gilt insbesondere für Streitschlichter
  • Die Aufsichten für LehrerInnen werden bei leichten und mittelschweren Konflikten zwischen SchülerInnen entlastet
  • Die Erziehung zur Selbständigkeit wird gefördert
  • Das Klima der konfliktlösenden Kooperation durch Einzelne hat nach 17 Jahren „Streitschlichtung“ auch das Gesamtklima an der Schule positiv verändert.

Auch außerhalb unserer Schule wird die Streitschlichtung immer bekannter. Im jedem Jahr bekommen  unsere Streitschlichter immer wieder aufgrund ihrer Ausbildung eine Ausbildungsstelle, bzw. einen Platz an einer  berufsbildenden  Schule.  Für die Moderatoren ist das indirekt ein nachhaltiges Lob für ihre Arbeit.