Johanna Reiss und Schüler/innen der Einführungsphase

Am Freitag, 23. Juni 2017, war es ganz still in der Mensa: Johanna Reiss, 85 Jahre, berichtet von ihrem Überleben als holländische Jüdin in der NS-Zeit.

Als die Nationalsozialisten 1940 die Niederlande besetzten, war Johanna Reiss neun Jahre alt. Die Familie lebte in Winterswijk – direkt an der Grenze zu Deutschland.

Eindrucksvoll schildert sie, wie sie von einer ganz einfachen Bauernfamilie in der Nähe von Enschede aufgenommen und versteckt wird. Zusammen mit ihrer älteren Schwester verbringt sie die Besatzungszeit in einem kleinen Zimmer im Obergeschoss des Bauernhauses. Als deutsche Soldaten im Untergeschoss ein Büro einrichteten, durften die Schwestern nicht nur das Zimmer nicht verlassen: Sie mussten im  Bett bleiben, weil man sonst ihre Schritte gehört hätte. Bei Hausdurchsuchungen zwängten sie sich in einen engen Schrank. Beide Schwestern überlebten.

Johanna (Annie) de Leeuw, wie sie vor ihrer Ehe hieß, emigrierte 1955 nach New York, wo sie bis heute lebt. Ihren Vortrag würzt sie mit viel Humor, die körperlichen und seelischen Qualen sind dennoch stets präsent: Nach drei Jahren ohne nennenswerte Bewegung musste sie wieder laufen lernen, die Beine waren verformt, noch heute erschrickt sie, wenn unvorhergesehene Geräusche in ihrer Umgebung auftauchen.

Sie appelliert eindringlich an die Schülerinnen und Schüler: „Glaubt niemandem, der euch sagt, eine Gruppe sei schlecht, nur weil sie anders ist. Glaubt niemandem, der sagt, Muslime seien schlecht oder Juden seien schlecht.“ Ihr Lebensgeschichte sei ein gutes Beispiel dafür, was menschliches Handeln ausmacht: Die Bauernfamilie hat geholfen,  weil die Mädchen Hilfe brauchten.

Viele Schüler kauften im Anschluss ihr Buch „Und im Fenster der Himmel“, das in viele Sprachen übersetzt wurde.

Für nähere Informationen zu Johanna Reiss: http://www.borio.tv/aktuelles/borken/johanna-reiss-berichtete-ueber-ihr-leben-im-versteck-waehrend-der-nazizeit_30027